Korallen- und Curryblumenkohl

Chinesen sind erstaunlich einfallsreich was ihre Essensbezeichnungen angeht.  Und auch wenn man des Chinesischen mächtig ist, passiert es einem immer wieder, dass die Essenbestellung in ein lustiges Ratespiel ausartet: Angefangen von sogenannten „fischduftenden“ Gerichten, in denen überhaupt kein Fisch enthalten ist, über das eigentlich nicht so wahnsinnig lecker klingende „Mapo Doufu“ (Tofu nach Art der pockennarbigen Alten), bis hin zu dem mittlerweile recht bekannten „Ameisen klettern auf einen Baum“, das aus Nudeln mit Hackfleisch besteht und mit Ameisen nur mit viel Phantasie optisch etwas gemein hat.

Beispielhaft dafür ist u.a. auch folgende Begebenheit: Ich saß vor ein paar Jahren mit (nicht-chinesischen) Freunden in einem kleinen Lokal in der Nähe der Jinaner Uni und wollte etwas essen – was Neues, nicht die Standard-Gerichte, die wir schon kannten. Also saßen wir, das Wörterbuch im Anschlag, über der Karte und rätselten, was denn von den diversen Sachen wohl lecker sein könnte. Und experimentierfreudig wie wir waren bestellten wir u.a. ein Gericht, von dem wir eigentlich nicht die geringste Ahnung hatten, was es sein könnte. In den Schriftzeichen war das Wurzelzeichen für Wasser enthalten und ein Zeichen deutete auf etwas mit Meer hin. Also haben wir uns gedacht, dass wir wohl im günstigsten Falle irgendeinen Fisch, im schlimmsten Fall Algen bestellen. Das Essen kam und sah auch schwer nach Algen aus – jedenfalls dachten wir das, die wir bis zu diesem Zeitpunkt noch nie Algen gegessen hatten… Nachdem der halbe Teller leer war (es hat wirklich gut geschmeckt) kam dann irgendwann freudestrahlend der Wirt auf uns zu und fragte, wie es uns denn gemundet habe. Wir hätten da ja schließlich eine Spezialität des Hauses bestellt, obwohl Ausländer das ja wohl nur selten essen würden…. Zu diesem Zeitpunkt wurde uns dann schon etwas mulmig… Nach langem hin und her trauten wir uns schließlich doch zu fragen, was wir da gerade genussvoll verspeist hatten: Es war Rindermagen… Irgendwie war das Essen danach nur noch halb so lecker ;-)

Warum dieser kleine Exkurs? Eines der Gerichte, das ich heute kurz verbloggen möchte, trägt den klangvollen Namen „Korallen-Blumenkohl“ (珊瑚菜花). Keine Angst: Chinesen essen zwar bekanntlich fast alles, Korallen sind mir allerdings noch nicht untergekommen. Der Name bezieht sich lediglich auf die Optik: Durch die Verwendung von Tomatenmark und etwas Sojasauce nimmt das Gemüse eine orange-rote Farbe an und erinnert mit etwas (viel) Phantasie tatsächlich an kleine Korallen. Darüber hinaus ist es aber auch einfach eine leckere und schnelle Alternative im Blumenkohl-Gerichte-Repertoire. Wer sich die volle Blumenkohl-Dröhnung geben möchte, kann das Gericht mit einem ebenfalls chinesischen Rezept für Curry-Blumenkohl (咖厘菜花) kombinieren. Dann reicht das Essen mit etwas Reis für 2-3 Personen. In diesem Sinne: 慢用!

Für den Korallen-Blumenkohl:

  • 1/2 Kopf Blumenkohl
  • 1 Paprika
  • Öl zum Anbraten
  • 1/2 TL Zucker
  • 1 EL Tomatenmark
  • 2 EL Sojasauce
  • 1 EL dunkler chin. Essig
  • 1 Prise Salz
  • Etwas Frühlingszwiebelgrün
  1. Blumenkohl in kleine Röschen teilen und in Salzwasser gute 3 Minuten blanchieren. Paprika in kleine Stücke schneiden.
  2. Zucker, Tomatenmark, Sojasauce, Essig und eine Prise Salz mit 8 EL Wasser verrühren.
  3. Blumenkohl und Paprika in etwas Öl scharf anbraten. Sauce zugießen und kurz anziehen lassen. Mit Frühlingszwiebelringen bestreut servieren.

Für den Curry Blumenkohl:

  • 1/2 Kopf Blumenkohl
  • 1 Paprika
  • Öl zum Anbraten
  • Etwa 2 cm frischer Ingwer
  • 4 Frühlingszwiebeln
  • 1/2 TL (gehäuft) Currypulver
  • Salz
  • 1 TL Sojasauce
  1. Blumenkohl in kleine Röschen teilen und in Salzwasser etwa 3 Minuten blanchieren. Paprika in kleine Stücke schneiden. Beides scharf anbraten, bis sich deutliche Bratspuren zeigen.
  2. In der Zwischenzeit Ingwer schälen und fein würfeln und Frühlingszwiebeln in Ringe schneiden. Wenn das Gemüse Bratspuren zeigt, beides zugeben und mit Curry und einer guten Prise Salz würzen. Braten bis das Essen anfängt zu duften. Dann mit Sojasauce beträufeln und servieren.

Dazu: Reis

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4 Kommentare zu “Korallen- und Curryblumenkohl

  1. Wow, da wart ihr richtig mutig. Ich weiß nicht, ob ich etwas essen würde, von dem ich nicht weiß, was es ist. ;-)
    Und, tja, zu Blumenkohl habe ich seit einigen Monaten (ich wollte Ravioli damit füllen…) ein sehr schlechtes Verhältnis. Vielleicht könnte ich es mit deinem Rezept verbessern? Mal sehen. :-)

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    • Oje – musste schmunzeln, sowas passiert mir auch öfters mal :-) Bei uns zu Hause gabs früher Blumenkohl immer mit Hollandaise – ist natürlich nix neues, aber ich finde es immer noch ziemlich lecker, auch wenn das natürlich auf die Dauer ziemlich auf die Hüften geht :-)

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