Allgäuer Urlaubserinnerungen

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Susanne von Magentratzerl feiert im Moment das einjährige Bestehen ihres wunderbaren Blogs und hat um unsere kulinarischen Urlaubserinnerungen gebeten. Ich war begeistert, habe aber bald feststellen müssen, dass das gar nicht so einfach wird wie anfangs gedacht. Denn in ungefähr 99% der Fälle bestehen meine kulinarischen Urlaubserinnerungen entweder aus einzelnen Lebensmitteln, die ich oft im Urlaubskontext überhaupt das erste Mal gegessen oder getrunken habe, oder aber es sind eigentlich sehr bodenständige und völlig normale Alltagsgerichte, die nur durch die Situation, in der ich sie gegessen habe wieder besonders geworden sind.

In die erste Kategorie fallen zum Beispiel frische Kokosnüsse auf Hainan in Südchina, mit Sesam gefüllte getrocknete Chilis aus Jinan in Nordchina, Algenchips aus Namwon in Südkorea, wunderbarer Schinken aus Südtirol, frische Buttermilch von diversen Tiroler Almen, Muscheln und Matjes aus Holland´oder aber auch mein erster Cappucchino, den ich in Rom getrunken habe, mein erstes „richtiges“ Baguette aus Paris oder der erste Ziegenkäsecamembert, den ich im Médoc gegessen habe. In die zweite Kategorie fällt dagegen eher sowas wie diverse Frikadellenbrötchen, die wir früher immer auf Wandertouren mitgenommen haben, selbstgemachter Kartoffelsalat und Grillwürstchen von Zelturlauben in der Eifel oder auch eine Erbsensuppe, die ich als ungefähr 10jährige nach einer Bergtour mit meinem Vater auf der Bad Kissinger Hütte unterhalb vom Aggenstein gegessen habe.

Eine kulinarische Urlaubserinnerung, die sich zum Verbloggen eignet, ist mir dann aber zum Glück doch noch eingefallen: Maultaschen mit Pilzen und Tomaten. Ich weiß, dass das für manche Leute auch eher in die oben erwähnte Kategorie 2 fallen würde – absolutes Alltagsessen. Bei uns gab es aber früher nie Maultaschen – das Rheinland ist da halt nicht so die klassische Gegend für… Wir sind aber, als ich klein war, mit der ganzen Familie bestimmt 10 Jahre lang jedes Jahr im Sommer ins Allgäu in die Nähe von Füssen in den Urlaub gefahren. Und obwohl bei uns die meiste Zeit in der Ferienwohnung selbst gekocht wurde, sind wir auch das ein oder andere Mal essen gegangen. In diesem Kontext habe ich dann auch das erste Mal (zumindest bewusst) Maultaschen gegessen. Und zwar nicht in Brühe sonder mit ein paar Pilzen und Tomaten in einer Sahnesauce und mit Käse überbacken. Ein ziemliches kulinarisches Schwergewicht, dass ich als Kind aber sehr lecker fand und das ich – neben Knöpfle – seitdem mit dem Allgäu verbinde (ob berechtigt oder nicht, sei jetzt mal dahingestellt). Vor ein paar Jahren habe ich das ganze schon mal in Form eines Auflaufes versucht nachzukochen, mit Tomaten- und Zucchinischeiben, Frischkäse und Käse. Nach spätestens drei Bissen war man dann aber für mindestens die nächste halbe Stunde quasi bewegungsunfähig – also habe ich versucht, das ganze etwas leichter zu machen.

Für 3-4 Personen:

  • 300g Mehl (ich habe 550er genommen)
  • 3 Eier
  • Salz und Pfeffer
  • Öl
  • 3 Schalotten
  • 1-2 Knoblauchzehen
  • 1/2 großer Bund Petersilie
  • 350g Mangold
  • 250g Hack
  • 3-4 EL Semmelbrösel (oder ein eingeweichtes Brötchen)
  • Muskat
  • Piment d’Espelettes
  • 400g Kräuterseitlinge oder Pfifferlinge
  • 250g Kirschtomaten
  • 1 TL Zucker
  • Zitrone
  • 1 Hand voll Basilikum
  1. Für den Nudelteig Mehl mit 1 großzügigen Prise Salz, Eiern, 1 TL Öl und etwa 50ml Wasser (wie viel genau hängt vom Mehl und der Größe der Eier ab) zu einem glatten und elastischen Teig verkneten. Leicht bemehlen und unter der umgedeckten Schüssel auf der Arbeitsplatte 1 Stunde ruhen lassen.
  2. Für die Füllung Mangold blanchieren, gut abtropfen und fein hacken. Petersilie ebenfalls fein hacken. Schalotten und Knoblauch fein würfeln und in wenig Öl anschwitzen. Leicht abkühlen lassen und zusammen mit Mangold, Petersilie, Semmelbröseln und dem Ei zum Gehackten geben. Mit Muskat, Salz und Pfeffer sehr würzig abschmecken.
  3. Teig noch einmal durchkneten und möglichst dünn zu einem deutlich längeren als breiten Rechteck ausrollen (dabei zwischendurch die Arbeitsplatte immer gut bemehlen, damit nichts festklebt). Die Füllung darauf verteilen, dabei jeweils einen etwa 2 cm breiten Rand freilassen. Dann ähnlich wie einen Strudel von der Längsseite her aufrollen und die Ränder leicht festdrücken.
  4. Jetzt mit einem Kochlöffelstiel oder ähnlichem kleine Maultaschen abstechen. Falls die Ränder noch nicht zusammengedrückt sein sollten nochmals etwas festdrücken. In einen Topf mit kochendem Salzwasser geben und bei kleiner bis mittlerer Hitze ungefähr 20 Minuten ziehen lassen (abhängig von der Größer der Maultaschen). Dann herausnehmen und etwas abtropfen lassen. Leicht einölen, damit sie nicht zusammenkleben.
  5. Kräuterseitlinge putzen und in Scheiben schneiden. In wenig Olivenöl anbraten und kurz abtropfen lassen. Tomaten vierteln und mit dem Zucker kurz karemellisieren. Herausnehmen. Maultaschen nach Belieben noch mal kurz in der Pfanne durchschwenken.
  6. Pilze auf einem Teller anrichten. Mit Salz und Piment d’Espelettes würzen und mit etwas Zitronensaft beträufeln. Maultaschen, Tomaten und etwas Basilikum darauf anrichten.

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Susanne sagt:

    Wow, Maultaschen hast Du gemacht, toll! Die liebe ich, war aber bisher immer zu faul zum Selbermachen….dann muss ich wohl mal :-)

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    1. Tring sagt:

      Das Selbermachen war bei mir auch Premiere. Ist aber gar nicht so aufwendig wie gedacht – Ravioli dauern deutlich länger, jedenfalls bei mir :-)

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  2. mangoseele sagt:

    Unglaublich wer nicht alles im Allgäu Urlaub gemacht hat ;-)! Maultaschen will ich auch schon ewig mal selbst machen, dann aber natürlich in einer vegetarischen Variante…

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  3. evazins sagt:

    Maultaschen stehen auch schon laaange auf meiner Liste. :-) 550er Mehl für Nudeln, ungewöhnlich.

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    1. Tring sagt:

      Das mit dem 550er Mehl hat sich einfach so ergeben. Finde aber, es lässt sich super verarbeiten.

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