Frühlingsrollen mit kreativ-chaotischer Füllung

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Frühlingsrollen sind etwas, das wohl die meisten mit einem Besuch beim Chinesen assoziieren würden – lustigerweise habe ich sie während meiner Zeit in China dort kein einziges Mal gegessen und auch nur höchst selten auf Speisekarten überhaupt zu Gesicht bekommen. Deshalb habe ich tatsächlich auch die besten Frühlingsrollen bisher nicht irgendwo in Asien, sondern in London an einem Essenstand auf einem Markt gegessen. Hier bei uns fand ich bisher weder die von mir probierten China-Imbiss-Varianten noch die TK-Fertigversion aus dem Supermarkt wirklich befriedigend und so stand schon lange auf meiner imaginären Kochagenda die Dinger endlich mal selber zu machen.

Dabei tat sich aber bisher immer ein kleines Hinderniss auf: Die Teighülle. Denn leider ist mein nächst-erreichbarer Asienladen eine gute halbe Stunde mit öffentlichem Nahverkehr weg und so ist es immer relativ unpraktisch TK-Frühlingsrollen-Fertigteig dort einzukaufen und dann zu verarbeiten. Insofern musste für den Teig eine selbstgemachte Lösung her, vor der ich ehrlich gesagt vorab doch etwas Respekt hatte. Irgendwie hatte sich mir im Kopf festgesetzt, dass es irre kompliziert sein müsse, die Teighüllen selbst herzustellen, weil man in fast allen Rezepten auf den Fertigteig verwiesen wird. Nach dem heutigen Ausprobieren kann ich aber ein für alle Mal Entwarnung geben: Es ist tatsächlich kinderleicht – wer halbwegs essbare Crèpes zu Stande bringt, wird auch mit dem Teig keinerlei Probleme haben ;-)

Zweite Baustelle: Die Füllung. Auch hier finden sich in diversen Kochbüchern Versionen wie Sand am Meer. Ich habe mich allerdings eher von meinem Vorratsschrank leiten lassen. Vorgesehen war also eigentlich ein Rest Spitzkohl, Möhren, marinierter Tofu und Frühlingszwiebeln. Leider hat mich mein Spitzkohl kurz vor Verarbeitung sozusagen hängen lassen – ich habe keine Ahnung was in den zwei Tagen im Kühlschrank mit ihm passiert ist, aber ich musste ihn leider schweren Herzens in den nächsten Mülleimer befördern. Nun war es allerdings mittlerweile zu spät zum Einkaufen und eine reine Tofu-Möhrenfüllung fand ich dann doch ein bisschen arg langweilig (und wenig). Nachdem diverse gedanklichen Alternativkreationen aus verfügbaren Lebensmitteln (Feta, Pflaumen, Gurken…) ob der doch etwas merkwürdigen Geschmackskombination mit dem bereits eingelegten Tofu – wie ich glaube verständlicherweise – zügig wieder verworfen wurden, fiel der Blick schließlich auf eine kleine Dose Sauerkraut in den Tiefen meines Vorratsschrankes. Und ich erinnerte mich daran, dass ich in China schon Jiaozi mit einer Füllung aus Suancai – der lokalen Sauerkrautvariante – gegessen hatte. Also: wer nicht wagt, der nicht gewinnt – das ganze wurde kurzerhand getestet.

Was ist also draus geworden? Die Frühlingsrollen sind tatsächlich echt lecker geworden. Das Sauerkraut habe ich vorher gut abgespült, damit es nicht mehr so raussticht und es fügt sich tatsächlich super in die Füllung ein. Das leicht säuerliche harmoniert dabei wirklich hervorragend mit dem scharf-würzig eingelegten Tofu und auch die Konsistenz wird dadurch sehr schön: Weicher Tofu, knackige Möhren und Frühlingszwiebeln und dann die leichte Struktur von dem Sauerkraut. Ich fand’s super ;-)

Für 4 große Frühlingsrollen:

  • 1/2 Kaffeebecher Mehl
  • 1 TL Stärke
  • 1 Prise Salz
  • 1 Ei
  • 2 kleine Möhren
  • 3 Frühlingszwiebeln
  • 1/2 kleine Dose Sauerkraut
  • 200g Tofu
  • 1 getrocknete Chili
  • 1 walnussgroßes Stück Ingwer
  • 2 Knoblauchzehen
  • 6 EL Sojasauce + evtl. mehr zum Abschmecken
  • Ingwer gemahlen
  • Cayennepfeffer o.Ä.
  • Öl zum Ausbacken
  1. Tofu in etwa 1/2 cm kleine Würfel schneiden. Mit gehacktem Inwer und Knoblauch, fein gehackter Chili und Sojasauce mindestens 1 Stunde marinieren.
  2. Für den Frühlingsrollenteig Mehl, Eigelb, Stärke und eine gute Prise Salz mit einem halben Kaffeebecher Wasser glattrühren. Eine beschichtete Pfanne heiß werden lassen, ggf. ganz leicht einölen und mit einer Schöpfkelle ein wenig vom Teig in der heißen Pfanner verteilen. Sofort leicht schwenken, damit sich der Teig möglichst gleichmäßig verteilt. Ggf. Löcher mit ein wenig Teig „stopfen“. Aus dem Teig so nach und nach möglichst dünne „Crèpes“ backen, dabei 1x wenden. Auf einem Küchenkrepp oder Handtuch zwischenlagern.
  3. Für die Füllung Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden, Möhren fein würfeln, Sauerkraut auf einem Sieb mit Wasser abspülen und gut abtropfen lassen. Alles  zusammen mit dem Tofu samt der Marinade ein einer Pfanne kurz durchschwenken, mit etwas Ingwer, Cayennepfeffer und ggf. etwas Sojasauce würzig abschmecken.
  4. Jeweils etwas von der Füllung längs in Form eines Rechteckes auf dem linken Drittel der Teighülle verteilen. Dabei an den Seiten jeweils den Rand freilassen. Die Ränder rundum mit Eiweiß bepinseln und zunächst oben und unten über der Füllung zusammenschlagen, dann die linke Seite ebenfalls über die Füllung schlagen und von dort aufrollen (eigentlich wie bei Kohlrouladen).
  5. Leicht festdrücken, ggf. überstehende Ränder abschneiden und die Frühlingsrollen in heißem Öl ausbacken, bis die Teighülle knusprig und leicht gebräunt ist.
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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Asia meets Bavaria – schöne Ideee, sieht auch wirklich sehr lecker aus. :)

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