Eggtart – Pasteis de Nata auf Chinesisch

Ich liebe chinesisches Essen wirklich sehr, mit (größtenteils) einer Ausnahme: Süßes. Das ist dort nämlich meist entweder nicht vorhanden oder (sorry!) relativ scheußlich ;-) Als Dessert gibt es – wenn überhaupt – „nur“ Obst (inklusive kleiner Tomaten, die dort – botanisch richtig – auch unter Obst laufen). Es ist jetzt nicht so, dass ich etwas gegen frische Ananas, Melone oder Kokussnuss zum Nachtisch hätte, aber so ein bisschen was „richtiges“ süßes fehlte mir dann irgendwann doch.

Am Anfang hatte ich in China einmal den Fehler begangen freudig in der Gebäckabteilung unseres Supermarktes eine Art Teilchen zu erstehen, das aussah als wäre es mit Schokolade gefüllt. Die Ernüchterung kam leider sofort nach dem erwartungsfrohen Reinbeißen: Keine Schokolade – Rote Bohnen Paste. Die kann ich bis heute nicht wirklich leiden: zu mehlig, zu pampig, und ja – auch zu dumpf-süß. Leider füllen Chinesen quasi alles was süß ist mit diesen roten Bohnen – und ich habe ziemlich viele Testläufe gestartet…

Eine weitere Alternative: Torten nach westlichem Vorbild. Genauer gesagt: Sahnetorten. Dafür nehme man einen Biskuitboden und packe dazwischen gefühlte 4 Liter geschlagene und gerne rosa eingefärbte Sahne mit gefühlt der gleichen Menge Zucker. Wenn man Glück hat ist immerhin noch ein bisschen Obst dazwischen oder darauf (hier eine von uns erstandene Geburtstagsvariante mit extra viel Obst). Zur Verteidigung der chinesischen Tortenbäckerei muss man allerdings sagen, dass sie immerhin schön aussehen ;-)

Chinesische Geburtstagstorte

Jedenfalls war ich nach einem guten Jahr in Jinan in Sachen Süßkram relativ ernüchtert, als ich auf dem Weg zum Gemüsemarkt an einem mobilen Essenstand vorbeilief, aus dem es geradezu hochgradig verführerisch duftete: Nach Pudding. Ich konnte es kaum glauben. Nach einem weiteren vorsichtigen Blick und einer noch vorsichtigeren Nachfrage stand fest: Der gute Mann verkaufte tatsächlich Puddingtörtchen. Noch traute ich ja dem Ganzen nicht so recht, aber nach einem ersten zögerlichen Bissen stand fest: Tatsächlich Pudding, ohne rote Bohnen (die gabs natürlich als Alternativfüllung auch)! Der Wahnsinn!

Inzwischen habe ich mich da ein bisschen schlauer gemacht und mir von einer chinesischen Freundin erklären lassen, dass Eggtart – wie die Chinesen sagen – über Macao durch die Portugiesen sozusagen importiert wurde und mehr oder weniger deren Pasteis de Nata entspricht. Und als besagte chinesische Freundin mir vor kurzem ein original Eggtart-Rezept weitergegeben hat, musste ich das natürlich nachbacken ;-)

Eggtart

Für 12 Eggtart:

  • 150g Gelierzucker (ich habe 2:1 genommen)
  • 250ml Sahne
  • 300ml Vollmilch
  • 8 Eigelb
  • 1 Vanilleschote (ggf. zusätzlich je eine Prise Zimt, Anis und Kardamom)
  • 1 Rolle frischer Blätterteig
  1. Backofen auf 200 Grad Umluft vorheizen. Vanilleschote auskratzen. Das Mark zusammen mit der ausgekratzten Schote, 200ml Milch und dem Gelierzucker einmal aufkochen, dann vom Herd ziehen und die Vanilleschote herausfischen.
  2. In der Zwischenzeit die Vertiefungen eines Muffinblechs mit Blätterteig auskleiden.
  3. Heiße Vanillemilch mit Eigelb und Sahne verrühren. Nach Geschmack noch weitere Gewürze zugeben (s.o.). Mit einem Mixstab kurz durchmixen, damit sich Eier und Milch gut verbinden.
  4. Die sehr flüssige Eiermilch in die mit Blätterteig ausgekleideten Vertiefungen füllen und im heißen Ofen etwa 15-20 Minuten backen, bis die Creme gestockt und die Oberfläche etwas gebräunt ist. Die Creme geht dabei etwas auf, fällt aber, nachdem man sie aus dem Ofen genommen hat, wieder zusammen.
  5. Leicht abkühlen lassen und am besten lauwarm servieren.
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4 Kommentare zu “Eggtart – Pasteis de Nata auf Chinesisch

  1. Ich habe zwar nix gegen Anko, aber ein wenig Abwechslung ist natürlich schön. :-) Pasteis de Nata liebe ich über alles, aber warum um Himmels Willen nimmst du Gelierzucker? Da ist (Apfel-)Pektin drin, dass zwar Marmeladen gelieren lässt, aber keine Milchprodukt, so weit ich weiß…

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    • Ehrlich gesagt habe ich das relativ unbedarft von einer Freundin übernommen, die meinte, dadurch wird die Konsistenz weicher. Gelieren tut es tatsächlich nicht, das ist aber, wenn ich sie richtig verstanden habe auch nicht gewollt ;-)

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  2. Ich mag die Rote Bohnen Paste auch nicht leiden. Ich bekam in Singapur einen damit gefüllten Mondkuchen geschenkt und musste ihn brav aufessen. Ich glaube, ich habe einen gefühlten Liter Jasmintee zum Spülen dazu gebraucht.
    Aber die Eggtarts mag ich auch sehr!

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