Döppekooche mal anders

Wenn Menschen an Mittelrhein, Eifel oder Westerwald ein Gericht benennen sollten, das ihre kulinarische Identität am besten widerspiegelt, dann wäre das höchstwahrscheinlich der Döppekooche. In einer Linie mit Rievkooche oder Krebbelscher (wie man in der Koblenzer Region sagt) gehört er zu den deftigen Kartoffelgerichten, die genau das richtige bei nasskaltem Wetter sind und denen hier sogar auf ganzen eigens nach ihnen benannten Stadt- und Dorffesten regelrecht gehuldigt wird (man könnte auch etwas böswillig sagen, der Rheinländer an sich nähme dankbar jeden Anlass zum Feiern war, aber das wird sicher nicht der Grund sein…).

Nun darf ja die Herbst- und Winterküche durchaus etwas deftiger sein, allerdings stellt Döppekooche in Sachen Deftigkeit sozusagen schon eine neue Kategorie dar. Das Original wird nämlich in Unmengen von Öl schwimmend (und ich meine das wörtlich) etwa 2 Stunden im Ofen ausgebacken, bis auch das letzte Fitzelchen Kartoffeln davon durchtränkt ist. Daraus resultiert dann eine wunderbar cremig-herzhafte Kartoffelmasse umgeben von einer Kruste, die sich gewaschen hat. Das schmeckt zwar wunderbar – gar keine Frage – führt jedoch gelegentlich im Anschluss an den Verzehr zu erzwungenem und schlagartig eintretendem Extrem-Couching.

Da kommt es gerade recht, dass Julia, die mit ihrem sehr lesenwerten Blog German Abendbrot bereits ihr 3jähriges „Dienstjubiläum“ gefeiert hat, sich den Blogevent Entstaubte Klassiker hat einfallen lassen, um unseren kulinarischen Traditionen und Kindheitserinnerungen in einer etwas neueren Form zu Leibe zu rücken.

Ich finde das eine sehr nette Idee, da man (oder zumindest ich persönlich) oft dazu neigt die deutsche Küche im Alltag fast ein bisschen zu vernachlässigen. Zu sehr reizen einen oft exotischere Gerichte aus Asien oder dem Nahen Osten, zu langweilig, altbacken und/oder schwer wirken oft die angestammten Rezepte. Insofern ist das Event ein willkommener Anlass um sich ein bisschen mehr mit der eigenen kulinarischen Identität auseinanderzusetzen und einige der bekannten und angestammten Gerichte mal aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten und gegebenenfalls etwas neuer zu interpretieren.

Dies habe ich nun also auch bei den Döppekooche probiert. Zunächst habe ich sie etwas verkleinert – denn eine ganze Auflaufform voll Döppekooche ist eher was für um die 8 Personen – und dann auch etwas „erleichtert“. Das Öl wurde durch eine, zugegebenermaßen dicke – Schicht Butter und einen Bacon-Rand ersetzt und Äpfel sorgen für einen leicht fruchtig-süßen Kern. Auch wenn er jetzt nichts mehr für Puristen ist – ich finde die Adaption durchaus gelungen ;-)

Für 6 kleine Döppekooche:

  • 360g Kartoffeln (etwa 4 mittelgroße)
  • 1 Apfel
  • 1/2 Mettwurst
  • 2 kleine Zwiebeln
  • 1 Ei
  • 1 EL Mehl
  • Salz, Pfeffer, Muskat
  • Je 1 Prise Zucker und Piment d’Espelettes
  • 12 Scheiben Bacon
  • Butter zum Einfetten der Form

Außerdem eine Muffinform

  1. Den Backofen auf 160 Grad Umluft vorheizen.
  2. Kartoffeln und Zwiebeln schälen und mittelfein reiben. Entstehenden Saft etwas ausdrücken und abgießen. Das Ei dazugeben. Mettwurst in kleine Stücke schneiden und ebenfalls zugeben. Mit Salz, Pfeffer und ein wenig Muskat herzhaft abschmecken. Zum Schluss das Mehl unterrühren.
  3. Apfel schälen und in kleine Stücke schneiden. Mit je einer Prise Zucker und Piment d’Espelettes mischen.
  4. 6 Mulden einer Muffinform dick (!) ausbuttern, vor allem am Boden. Den Rand mit je zwei Baconscheiben auslegen. Anschließend je einen gehäuften Esslöffel der Kartoffelmasse in jede Mulde geben. Die Äpfel in der Mitte darauf verteilen und leicht andrücken, dann mit restlicher Füllung bedecken.
  5. Im heißen Backofen etwa 60 Minuten backen, bis sich eine schöne dunkle Kruste gebildet hat. Falls es zu dunkel wird, ggf. abdecken (ich war damit etwas spät dran, wie man sieht ;-)).

Dazu: Feldsalat mit Joghurtdressing (Joghurt, Zitronensaft, Olivenöl, Salz und Pfeffer).

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7 Kommentare zu “Döppekooche mal anders

  1. Du hast bei der Fettreduktionsangabe die Mettwurst unterschlagen. ;-)
    Und es stimmt, ich vernachlässige die deutsche Küche auch sträflich, sehr zum Leidwesen von Herrn H., der ihr durchaus nicht abgeneigt ist…

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  2. Ein Gericht, dass ich bisher überhaupt noch nicht gekannt habe, geschweige denn jemals davon gehört! Schaut sehr sehr lecker aus und erinnert mich an ein gefülltes Schweizer Rösti :) Sympathisch auch, dass auf das von dir aus der Original-Version beschriebene zweistündige Ausbacken in Öl verzichtet hast ;)

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    • Stimmt, eigentlich ist es wohl wirklich so eine Art Rösti in dick – auch wenn ich jetzt beileibe kein Rösti-Spezialist bin und mir das als Nicht-Schweizer auch nie anmaßen würde ;-)
      Und das mit dem Öl weglassen ist reiner Selbstschutz vor dem anschließenden Couch-Koma…

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  3. Pingback: Der Staub ist weg: Zusammenfassung meines Blog-Events “Entstaubte Klassiker” | German Abendbrot

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