Hey Süßer (Puffer)

Die Süßkartoffel und ich – das war quasi Liebe auf den ersten Bissen. Kennengelernt habe ich sie während meiner Auslandssemester in Nordchina. Es war November, es war kalt, ich fror und lief auf dem Weg zum Wohnheim an der Straßenecke an einem freundlichen Herren mit einem kleinen Metallöfchen vorbei, in dem so merkwürdige, leicht verschrumpelte und etwas angekokelte große Knollen lagen. Meine koreanische Mitbewohnerin stürzte direkt freudig drauflos, um eben dieses nicht gerade sehr überzeugend aussehende Etwas zu erwerben. Ich war etwas skeptisch, die Überzeugung für die inneren Werte folgte aber auf dem Fuße.  Oder besser gesagt auf der Hand. Denn – und das ist der erste Vorteil einer schönen warmen Süßkartoffel im Winter direkt aus dem Ofen – sie ist der ideale Handwärmer.

Kein Scherz! Ich weiß, mit Lebensmitteln soll man nicht spielen und so, aber ich habe in Xi’an bei gefühlten minus 20 Grad im Winter mal zwei Süßkartoffeln zu horrenden Preisen (weil am Touri-Hotspot der Terrakottaarmee) eigentlich nur deshalb erstanden, weil ich zwei Wärmepakete für meine trotz dicken Handschuhen eiskalten Hände brauchte. Sie wirken Wunder. Und  – ja – essen kann man sie auch. Nein, ich tue ihnen Unrecht. Man sollte sie sogar essen. Denn sonst hat man wirklich was verpasst. Schön weich, warm, mehlig und leicht süß sind sie an kalten Wintertagen einfach super. Direkt warm aus dem Ofen pur, mit etwas Butter und Salz, oder auch in einer etwas fortgeschrittenen Version wie dieser hier, die ich – wie so oft – bei Ottolenghi gefunden habe. Bei wem auch sonst…

Seine Version finde ich super. Geschmacklich ist wie eigentlich immer bei Ottolenghi Süßes und Salziges gut ausbalanciert und in Form von Chili (ich bin auf Chilipulver ausgewichen) ist auch noch ein kleiner Kick dabei. Das einzige was mich ein bisschen gestört hat, war die Konsistenz. Wunderbar weich – aber eben komplett weich. Eine schöne Kruste wollte sich bei mir trotz vorsichtigen langen Anbratens nie einstellen. Also habe ich mit einigen Restexemplaren etwas experimentiert und sie am nächsten Tag kurzerhand nochmal paniert und ausgebacken (auf dem Bild ist noch die ursprüngliche Version). Und da war die gewünschte Kruste da. Ein Diätessen ist es jetzt zwar gerade nicht mehr, aber dafür umso leckerer ;-)

Für 2 Personen:

  • 500g Süßkartoffel (geschält)
  • 2 TL Sojasauce
  • Salz
  • 50g Mehl
  • 1 Prise Zucker
  • 3 Frühlingszwiebeln
  • 2 großzügige Prisen Piment d’Espelettes
  • Öl zum Braten
  • 250g griechischer Joghurt
  • 1 Hand voll Petersilie
  • Zitronensaft
  • 1 EL Olivenöl
  • Ggf. 1 Ei und Semmelbrösel zum Panieren
  1. Die Süßkartoffel schälen in größere Stücke schneiden und weichdünsten. Danach gut abtropfen bzw. ausdampfen lassen. Frühlingszwiebel in Ringe schneiden. Petersilie hacken.
  2. Süßkartoffel mit einer Gabel zerdrücken. Mit Mehl, Frühlingszwiebeln, Salz, Zucker und Piment d’Espelettes vemischen und herzhaft abschmecken. Mit einem Esslöffel vorsichtig kleine Puffer ins heiße Öl setzen und ausbacken. Abtropfen lassen.
  3. Falls gewünscht etwas abkühlen lassen, dann in verschlagenem Ei und Semmelbröseln wenden und nochmal von jeder Seite 2-3 Minuten ausbacken.
  4. Joghurt mit Petersilie, Zitronensaft, Olivenöl, Salz und Pfeffer anmachen. Zu den Puffern servieren.
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4 Kommentare zu “Hey Süßer (Puffer)

  1. Oh ja, Süßkartoffeln gab es in Mexiko auch immer aus so einem Öfelchen auf der Straße, großartig! Und in der Ottolenghi-Version klingen sie auch sehr lecker. Ich kaufe sie nur selten, da sie hier meistens aus Israel kommen und bei diesem wasserarmen Land habe ich immer ein bisschen ein schlechtes Gewissen…

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    • Die direkt aus dem Ofen sind die besten!
      Ich kriege meine immer über meine Öko-Gemüsekiste. Ich müsste da tatsächlich mal nachfragen, wo die genau herkommen bzw. wie die angebaut werden. Bisher habe ich da meine Hände ziemlich in Ökokisten-Unschuld gewaschen. Andererseits: Ja, es ist sicher sehr wasserintensiv die Dinger in Israel anzubauen, aber würden sie das nicht sowieso tun? Dann eben entsprechend für den lokalen Markt? Und wo kämen sie dann sonst her (und ist das dann besser)? Ich habe da ehrlich gesagt nicht wirklich den Durchblick, aber es schadet sicher nichts sich da mal schau zu machen ;-)

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    • Panko bekomme ich hier bei mir direkt leider nicht. Das muss ich dann mal für die nächste Asialaden-Shoppingtour auf die Liste schreiben. Meine Puffer wollten partout nicht knusprig werden, und es war schon das 2. Mal… Die Affinität stößt anscheinend auf wenig Gegenliebe…

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