Jing Jiang Rou Si

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Fleischstreifen nach Hauptstadt-Art – so die ungefähre Übersetzung eines meiner chinesischen Lieblingsessen, das ich noch aus meiner Jinaner Zeit kenne. Das Gericht ist insofern typisch für Nordchina, als dass es klassischerweise nicht mit Reis gegessen wird sondern mit kleinen Pfannkuchen, Dan Bing genannt (das sind die, in die auch die Pekingente eingewickelt wird). Das zweite woran man sich als Westler erstmal gewöhnen muss: Das Fleisch bekommt eine süßliche Sauce. Ich persönlich finde das total lecker – es ist aber nicht jedermanns Sache. Also sozusagen schon chinesisches Essen für Fortgeschrittene ;-)

Das Rezept habe ich mir nach langem hin und her aus zwei verschiedenen Kochbüchern entsprechend meiner Geschmacks-Erinnerung zusammengebastelt: Zum einen aus einem alten original-taiwanesischen Kochbuch („Pei Meis Cookbook“) aus den 70ern und aus dem etwas neueren „Chinesisch Kochen“ von Yan-kit So. Bei Pei Mei habe ich – wie in vielen anderen chinesischen Rezepten im Internet auch – „süße Sojabohnenpaste (tian doujiang)“ in der Zutatenliste gefunden. Diese ominöse Paste, die nicht Dousha – also der süßen Roten-Bohnen-Paste – entspricht, habe ich aber leider bisher noch nirgendwo auftreiben können und mir folglich Yan-kit So entsprechend mit salziger Bohenpaste und der doppelten Menge (2 TL) Zucker beholfen, was dem Originalgeschmack sehr nahe kommt. Das nächste Mal würde ich glaube ich sogar noch einen halben Teelöffel Zucker mehr verwenden. Für meinen Geschmack hätte es noch ein bisschen süßer sein können.

Die Pfannkuchen dazu sind ein kleines bisschen Frickelei und müssen entweder frisch gegessen oder vor dem Verzehr nochmal gedämpft werden. Alternativ kann man die Fleischstreifen aber auch in dünne Scheiben Tofuhaut oder einfach Salatblätter wickeln. Klassischerweise werden zusammen mit dem Fleisch in dünne Streifen geschnittene Frühlingszwiebeln eingewickelt. Ich habe keine mehr bekommen und bin deshalb auf dünne Gurkenstreifen ausgewichen. Im Prinzip funktioniert hier alles, was schön frisch schmeckt: Radieschen wären ebenso denkbar wie Paprikastreifen oder ein paar frische Kräuter wie Koriander.

Übrigens eignet sich das Essen hervorragend für den ultimativen Stäbchen-Test. Wer es schafft, die Pfannkuchen nur mit Stäbchen zu füllen, einzuwickeln und unfallfrei zu essen ist definitiv China-tauglich ;-) Viel Spaß damit und Euch allen ein frohes neues Jahr!

Für 1-2 Personen:

Für das Fleisch:

  • 200g Fleisch zum Kurzbraten (ich habe Schweinefleisch aus dem Rücken genommen)
  • 1 EL Sojasauce
  • 1 TL Wasser
  • 1 EL Speisestärke
  • 1 EL Reiswein
  • Öl zum Anbraten

Für die Würzsauce:

  • 1/2 cm Ingwer
  • 2 EL salzige Sojabohnenpaste
  • 1 EL Öl
  • 2 gehäufte TL Zucker
  • 1 TL Reiswein
  • Öl zum Anbraten

Für die Dan Bing:

  • 120g Mehl
  • 90 ml kochend heißes Wasser
  • Salz
  • Etwa 1 EL Sesamöl

Außerdem:

  • 1/2 Gurke oder Frühlingszwiebel nach Belieben
  1. Das Fleisch in dünne Stifte (etwa doppelte Streichholzdicke) schneiden und mit Sojasauce, Wasser, Speisestärke und Reiswein mindestens eine Stunde marinieren.
  2. Für die Dan Bing Mehl mit kochend heißem Wasser und Salz verrühren. Sobald man den Teig anfassen kann zu einem glatten und elastischen Teig verkneten und 1 Stunde abgedeckt bei Raumtemperatur ruhen lassen. Danach den Teig noch einmal durchkneten, zu Rollen formen und walnussgroße Stücke abstechen. Zu Kugeln formen, jeweils zu gleich großen Talern flachdrücken. Je einen Taler mit etwas Sesamöl einpinseln und einen anderen (nicht eingepinselten) Taler darauf setzen. Mit den Händen andrücken und dann zu runden Pfannkuchen von etwa 15 cm Durchmesser ausrollen.
  3. Eine beschichtete Pfanne hoch erhitzen. Die Pfannkuchen hineingeben und von jeder Seite etwa 1 Minute backen, bis die Unterseite gebräunt ist und der Teig Blasen wirft. Aus der Pfanne nehmen, Pfannkuchen auseinander ziehen und in einem Küchentuch bis zur Verwendung einwickeln. Ggf. wieder „aufdämpfen“, wenn sie kalt geworden sind.
  4. Ingwer fein hacken. Bohnenpaste, Öl, Zucker und Reiswein für die Würzsauce verrühren. Die Gurke in sehr feine Stifte schneiden.
  5. Großzügig Öl in einer Pfanne stark erhitzen und das Fleisch darin unter Rühren etwa eine halbe Minute anbraten, bis es von allen Seiten schön braun ist und glänzt. Herausnehmen. Das Öl wegschütten.
  6. Erneut wenig Öl in der Pfanne erhitzen. Den Ingwer zugeben und kurz durchschwenken. Das Fleisch und die Würzsauce zugeben und bei starker Hitze nochmal eine halbe Minute braten.
  7. Die Dan Bing auf einer Platte anrichten, in der Mitte die Gurkenstifte und das Fleisch verteilen.
  8. Zum Essen die Pfannkuchen mit je etwas von den Gurken und Fleisch füllen.
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8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Cheriechen sagt:

    Also dafür würde ich mir Mühe geben mit den Stäbchen!
    Prost Neujahr, Tring, alles Gute!
    Cheriechen

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    1. Tring sagt:

      Es ist nicht ganz einfach, aber es lohnt sich ;-) Frohes Neues!

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  2. Das kommt hier definitiv bald auf den Tisch. Ich bilde mir ja ein, gar nicht so schlecht im Umgang mit Stäbchen zu sein….mal sehen :-)
    Nach dem taiwanesischen Kochuch habe ich gerade geschaut…..das wird ja als Sammlerstück mit Gold aufgewogen!

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    1. Tring sagt:

      Echt? Ich habe drei mittlerweile relativ zerfledderte Bände von einer Freundin geschenkt bekommen, die (soweit ich weiß in den 70ern) auf Taiwan gelebt hat… Es ist insofern ganz praktisch, weil es Mengenangaben enthält. In meinen anderen Kochbüchern, die ich mir aus China mitgebracht habe, stehen immer nur die Zutaten ohne irgendwelch Angaben…

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  3. evazins sagt:

    Also ich bin dann definitiv noch nicht China-tauglich. ;-) Mit Stäbchen den Belag auflegen – kein Problem, aber rollen? Klingt dennoch sehr lecker und passt gut in unsere derzeitige Ausrichtung! :-)

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  4. marco sagt:

    Toll! Das ist ein Rezept ganz genau nach meinem Geschmack. Ich habe gerade gegessen, aber so einen kleinen Pfannkuchen würde ich gleich nochmals verputzen ;) Kommt auf meine Merk-Ich-Mir-Liste! Aber sag mal, was ist denn eigentlich Tofuhaut?

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    1. Tring sagt:

      Das ist auch wirklich lecker ;-) Tofuhaut ist meines Wissens nach die äußerste, leicht getrocknete Schicht von Tofublöcken. Die sieht leicht beige aus, hat ein paar Falten und wird meist eingerollt verkauft. Ich kenne es z.B. auch viel aus dem Hot Pot. Eigentlich mein Lieblingstofu, weil es etwas mehr Struktur hat ;-)

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  5. Franka sagt:

    Ui, das wär‘ jetzt nichts für mich ;-) nicht nur wegen der Stäbchen. Aber wenn du dort warst, ist es sicher etwas anderes.
    LG, Franka

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