Frühstücken auf Chinesisch – Roujiamo

Roujiamo steht schon ganz lange auf meiner Nachkochliste. Nämlich exakt so lange wie ich aus China wieder da bin und seitdem mein chinesisches Frühstück schmerzlich vermisse. Die ersten Monate in Jinan hatte ich mich diesbezüglich noch auf Haferflocken mit Milch und etwas Obst beschränkt – völlig zu Unrecht. Denn direkt gegenüber von meinem Wohnheim gab es in Jinan eine dieser Foodstreets, die sich schon am frühen Morgen mit Straßenverkäufern füllte, die einen mit handgezogenen Nudeln, Maisgriessuppe mit Youtiao, Jianbingguozi (kleine Crèpes mit Ei und Frühlingszwiebeln – stehen auch noch auf der Nachkochliste), Baozi oder eben Roujiamo versorgten. Nachdem ich das Zeug einmal gegessen hatte, konnten die Haferflocken endgültig einpacken.

Die längsten Schlangen gab es dabei immer vor einem kleinen Stand, der für knapp 2 Kuai (also etwa 20 Cent) Roujiamo verkaufte – allerdings unter dem schlichteren Namen Hanbao bao (also Hamburger). Dabei handelt es sich um eine Art Pita-Brötchen, das frisch aus dem Ofen mit klein gehacktem Schmorfleisch aus einem großen Kessel, etwas von der Sauce, Eiern, Tomaten, Gurken und nach Belieben sonstigem Kleinkram (Würzsauce, Koriander, Frühlingszwiebeln) gefüllt wird. Am Fleisch wurde dort immer relativ gespart, da es in China verhältnismäßig teuer ist, dafür gab es aber umso mehr von der leckeren Schmorsauce. Das Zeug macht absolut süchtig!

Leider scheint das Gericht typisch für Nordchina zu sein – schon in Shanghai war es zum meinem Leidwesen nur noch relativ schwer aufzutreiben und in Deutschland habe ich es bis jetzt noch nirgendwo gefunden – da bleibt nur selber machen. Ich habe lange auf chinesischen Webseiten erfolglos nach Rezepten gesucht, die dem, was ich in Jinan gegessen habe, am nächsten kommen und dann schließlich beschlossen das ganze einfach mal selbst frei Schnauze auszuprobieren. Ich kann also nicht behaupten hier DAS Roujiamo-Rezept weiterzugeben, aber es schmeckt zumindest so wie ich es in Erinnerung hatte ;-)

Das ganze ist durch das Schmorfleisch natürlich ein wenig zeitintensiv, aber im Grunde nicht viel Arbeit, denn das Schmoren erledigt sich ja von alleine. Und wenn das Fleisch einmal fertig geschmort ist, lässt es sich auch nach Belieben problemlos wieder aufwärmen. Wer die Arbeit mit den selbstgemachten Pita-Broten scheut, kann sie natürlich stattdessen auch einfach fertig kaufen oder auf so etwas wie Fladenbrot zurückgreifen. Die Füllung lässt sich (neben Fleisch und Sauce) beliebig variieren. In China gab es die Brötchen auch schon mal mit Salat, sautierten Kartoffelstiften mit viel Kreuzkümmel, oder einem Spiegelei.

Roujiamo

Für 8 kleine Taschen:

Für Fleisch und Sauce:

  • 400g Schweinefleisch zum Schmoren (bei mir aus der Schulter)
  • 2 EL Öl
  • 2 EL Tomatenmark
  • 4 kleine Knoblauchzehen
  • 2 cm frischer Ingwer
  • 2 EL Sojasauce
  • 1 EL dunkler chinesischer Essig (alternativ Sushiessig und etwas mehr Sojasauce)
  • 1 EL Paprikapulver
  • 1 Prise Zucker
  • 1 Prise Piment d’Espelettes
  • 1/2 l Brühe

Für die Füllung außerdem:

  • 1/2 kleine Gurke
  • 2 Tomaten
  • 2-3 Eier
  • 1 Hand voll Koriander
  • Kreuzkümmel gemahlen
  • 2-3 Frühlingszwiebeln

Für die Würzpaste:

  • 2 EL Sichuan-Chilipaste
  • 2 EL Sojasauce
  • 4 TL Sesamöl
  • 1 EL Wasser

Für die Teigtaschen:

  • 125g Pastamehl
  • 125g Mehl
  • 1/2 Würfel Hefe
  • 2 EL Öl
  • Warmes Wasser
  • Salz

Für Fleisch und Sauce:

  1. Das Fleisch mitsamt einem möglichen Fettrand in einem großen Topf in heißem Öl von allen Seiten scharf anbraten. Fleisch kurz herausnehmen. Knoblauch und Ingwer schälen, Knoblauch leicht andrücken und beides zusammen mit dem Tomatenmark und Paprikapulver im Topf kurz anrösten.
  2. Brühe mit Sojasauce und Essig verrühren, zugeben und verrühren. Das Fleisch wieder in den Topf geben und zugedeckt bei kleiner Hitze etwa 2 Stunden schmoren bis es so weich ist, dass es sich problemlos auch ohne Messer zerzupfen ließe. Gegen Ende der Garzeit Zucker und Piment d’Espelettes zur Sauce geben. Sie soll sehr würzig schmecken (fast schon überwürzt).

Für die Pita-Taschen:

  • Mehl in eine Schüssel geben. Hefe mit einer Tasse lauwarmem Wasser verrühren.
  • In das Mehl eine Mulde drücken, die Hefe-Wasser-Mischung hineingeben und mit etwas Mehl bedecken. Abgedeckt stehen lassen, bis das Mehl Risse zeigt.
  • Dann Öl und Salz zugeben und den Teig mit noch etwas zusätzlichem warmem Wasser zu einem weichen und elastischen, aber nicht klebrigen Teig verkneten. Abgedeckt an einem warmen Ort stehen lassen, bis sich das Teigvolumen etwa verdoppelt hat (bei mir hat das eine gute Stunde gedauert).
  • Den Teig etwa 1/2 cm dick ausrollen und Teigkreise von etwa 10 cm ausstechen. Auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben und abgedeckt noch einmal etwa 10-15 Minuten ruhen lassen.
  • Den Backofen auf 200 Grad Umluft vorheizen. Die Teiglinge in den heißen Backofen geben und etwa 8 Minuten backen bis sie leicht aufgegangen und gebräunt sind. Sofort in ein Küchenhandtuch wickeln und vor dem Essen ein paar Minuten abkühlen lassen.

Für die Füllung:

  1. Wenn gekochte Eier in der Füllung gewünscht sind, diese gute 10-15 Minuten vor dem gewünschten Verzehr mit in die Sauce geben (mit der Schale). Gute 5-6 Minuten mitköcheln lassen, dann herausnehmen und die Schale vorsichtig andötschen, so dass sie leichte Risse bekommt, sich aber noch nicht löst. Die Eier wieder in den Topf geben und unter gelegentlichem Wenden noch etwa 10 Minuten in der Sauce kochen.
  2. Gurke und Tomaten in dünne Scheiben schneiden.
  3. Das Fleisch portionsweise zerzupfen und mit etwas Koriander und Frühlingszwiebeln sowie ein wenig von der Bratensauce und ggf. etwas gekochtem Ei mit einem Messer grob durchhacken. Mit einer Prise Kreuzkümmel würzen.
  4. Die Zutaten für die Würzpaste verrühren. Pita-Taschen aufschneiden, mit ein wenig von der Würzpaste einstreichen (das geht am besten mit einem Pinsel), mit Tomaten und Gurkenscheiben und der Fleischmasse füllen.
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6 Kommentare zu “Frühstücken auf Chinesisch – Roujiamo

  1. Gekauft! Mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Ich bin zur Zeit sowieso irgendwie auf dem „China-Trip“, habe mir sogar ganz optimistisch ein Sprachlehrbuch (vom Cornelsen-Verlag) besorgt. Meinst du, man kann chinesisch ohne Kurs lernen?
    Liebe Grüße,
    Eva

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    • Wie cool! Ist da ne CD dabei? Ich würde mir auf jeden Fall so eine Art Sprachpartner suchen, der die Aussprache korrigiert (vielleicht einen Austauschstudenten, der ein bisschen Deutsch lernen will). Und was wichtig ist, ist das einem jemand am Anfang mal erklärt wie die Zeichen aufgebaut sind – sonst gibts beim Schreiben ewig Chaos und man braucht auch länger zum Lernen, wenn man das System dahinter nicht verstanden hat ;-) Finde ich super!

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      • Ja, eine CD ist dabei. Ich habe bislang noch nicht angefangen, werde es aber heute tun! Ich glaube, dass das Buch den Aufbau der Zeichen gut erklärt nud ein Partner? Vielleicht, wenn ich mit dem Buch durch bin…

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  2. Ich frühstücke sehr gerne etwas Herzhaftes! An diesen Stand hätte ich mich sicher auch angestellt!
    Glaubst du nicht, dass diese Teigtaschen mit viel weniger Hefe auskommen müssten. Was verwendet man in China als Triebmittel, weißt du das?
    Liebe Grüße u ein schönes Wochenende
    Cheriechen

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    • Man kann sicher weniger Hefe nehmen, dann dauert es halt nur was länger ;-)
      Soweit ich weiß wird in China auch Hefe verwendet. Hefeklösse wie Baozi oder Mantou sind dort ja auch recht stark verbreitet.

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