Kleiner Exkurs aus aktuellem Anlass

Das hier ist ein Foodblog, auf dem ich meine politische Meinung normalerweise weitestgehend für mich behalte. Und eigentlich wollte ich heute morgen ein Rezept posten. Aber vor dem Hintergrund der Ereignisse von gestern Abend in Paris und den Kommentaren, die ich teilweise heute morgen im Netz lesen musste, kann ich nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen.

Wir hören fast täglich in Radio und Fernsehen vom (offiziell nicht vorhandenen) Krieg in der Ukraine, von Bomben in Syrien, von Selbstmordanschlägen in Afghanistan. Wir sehen in der Zeitung die Bilder von Flüchtlingen, Soldaten, zerstörten Städten. Und doch ist das oftmals für uns so unendlich weit weg, dass es oft zu einer Art Hintergrundrauschen verkommt – ach ja, schon schlimm was da passiert. Und man sitzt währenddessen daheim schön im Warmen auf seiner Couch, beißt zum zweiten Mal ins Käsebrot und guckt danach gemütlich den Tatort (und davon will ich mich selbst gar nicht ausnehmen).  Aber mit einem Schlag wird das gestern Abend auf einmal real. Paris, das ist nicht Kabul. Das ist nicht irgendwo im nahen Osten oder in Afrika, weit weit weg. Das ist bei uns um die Ecke, mitten in Europa. Dort leben Freunde, Menschen, die wir persönlich kennen. Das könnten wir sein.

Schon werden die Stimmen laut, die eine Schließung der Grenzen, verstärkte Überwachung oder vor dem mutmaßlich islamistischen Hintergrund der Anschläge eine Eindämmung der „muslimischen Gefahr“ fordern. Denn schließlich muss man ja irgendwas tun. Maßnahmen müssen her. Pronto. Aber hilft das?

Wir sind (zumindest mehrheitlich) stolz auf unser vereintes Europa. Ein Europa, das uns Frieden, Reisefreiheit und (gerade als Deutsche) überwiegend Wohlstand gebracht hat. Ein Europa, das auf freiheitlich-demokratischen Grundrechten basiert. Nach meiner Überzeugung kann und muss ein solches Europa auf die Taten einzelner verblendeter Idioten (ob nun islamistisch oder nicht), die aus Hass solche Anschläge verüben, vor allem reagieren, indem eben genau diese Grundrechte hochgehalten werden.

100%ige Sicherheit wird es nie geben. Wenn jemand diese Gesellschaft wirklich treffen will und bereit ist alles dafür zu riskieren, wird er immer einen Weg finden. Ich kann einem Menschen seine Verblendung nun mal nicht an der Nasenspitze ansehen oder aus seiner Herkunft ableiten – ob er nun Christ, Muslim oder Atheist ist. Und so sehe ich es natürlich auch einem Flüchtling nicht an, ob er ein Schläfer ist. Aber wollen wir deshalb eine ganze Gruppe von Menschen (in diesem Fall a) Muslime und b) Flüchtlinge) unter Generalverdacht stellen? Wenn wir aus purer Angst nun die Werte aufgeben oder zumindest stark einschränken, auf denen unser friedliches Europa aufgebaut ist, dann haben letztlich die Attentäter ihr Ziel erreicht.

Viele Menschen haben momenten Sorge vor einer Überfremdung oder Islamisierung Europas. Sie fürchten einen Verfall christlicher Werte und Traditionen vor dem Hintergrund einer „falschen Toleranz“. Nun gilt hier (und das ist einer dieser Grundwerte) zunächst einmal Religionsfreiheit, d.h. jedem steht es frei zu glauben oder auch nicht zu glauben woran er oder sie möchte. Und wenn ich an ein fliegendes Spaghettimonster glauben möchte, kann ich auch das tun. Weiterhin schlagen sich die abendländisch, christlichen Werte im Deutschen Staat, obwohl Staat und Kirche offiziell getrennt sind, bspw. in den Gesetzen oder auch in den christlichen Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern nieder. Nun steht es auch hier jedem frei wie er damit umgeht – ob er bspw. Weihnachten im christlichen Sinne feiert, oder ob er das ganze einfach nur als nette Gelegenheit sieht das Haus umzudekorieren und Plätzchen zu essen. Letzteres scheint häufig der Fall zu sein (wogegen nichts zu sagen ist – siehe Religionsfreiheit).

Nun sehen sich allerdings plötzlich vielerorts Christen mit Muslimen konfrontiert, die ihre Religion tatsächlich ernst nehmen und leben – was für ein Schock. Solange sich dies mit dem deutschen Grundgesetz verträgt ist dagegen aber überhaupt gar nichts einzuwenden. Und wenn sich all jene, die den Verfall christlicher Werte unter muslimischem Einfluss befürchten und diesen anprangern, einfach mal auf eben diese Werte (und dazu gehört meines Wissens nach auch die Nächstenliebe) besinnen und danach leben würden, wäre vermutlich schon vielen geholfen.

Auch ich habe kein Patentrezept wie man mit all dem umgehen kann. Ich glaube, dass aber niemand das hat und dass es da auch keine einfachen Lösungen gibt und geben kann. Ich glaube aber, dass man durchaus etwas tun kann: Nicht jammern sondern anpacken. Auf die Menschen zugehen, einfach mal zuhören, Flüchtlinge einbinden und sie nicht einfach sich selbst überlassen. Jetzt erst recht.

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2 Kommentare zu “Kleiner Exkurs aus aktuellem Anlass

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