Auf Abwegen

…oder warum ich mich nie an Rezepte halten kann.

Eigentlich wollte ich heute Paglia e Fieno machen, einen italienischen Nudelklassiker mit grünen und weißen Bandnudeln, Schinken und Sahnesauce – so weit so gut. Allerdings ist ja nun heute Karfreitag, wo man klassischerweise auf Fleisch verzichtet. Nun bin ich zwar ansonsten normalerweise nicht päpstlicher als der Papst und sehe dergleichen eher entspannt, aber Fleisch an Karfreitag wäre dann doch komisch. Geht irgendwie nicht. Ich bin da völlig schuldlos. Bei solchen Sachen schlägt einfach gnadenlos meine rheinisch-katholische Erziehung durch. Welche übrigens mehr oder weniger deutlich abzugrenzen ist von der römisch-katholischen, aber das nur nebenbei. Also habe ich beschlossen eine gute rheinische Katholikin zu sein (zumindest was das angeht, eine gewisse Selektivität möchte ich nicht abstreiten) und den Schinken durch Stremellachs zu ersetzen. Und damit nahm sozusagen mal wieder das Übel der Rezeptverfremdung seinen Lauf…

Denn beim Blick in den (vor dem Familienbesuch an Ostern noch leerzuessenden) Kühlschrank blieb ich an einer schon leicht dümpeligen Verpackung hängen: Gorgonzola. Mein persönlicher Problem-Käse. Andere Leute haben Problem-Bären, ich habe Problem-Käse. Ein Teil des Problems war bereits kürzlich in die tatsächlich trotz Gorgonzola sehr leckeren Käseknödel gewandert (da versteckte er sich ausgezeichnet). Blieb besagter Rest. Also habe ich kurzerhand beschlossen ihn mit in die Sahne-Sauce zu verfrachten, was ja eine durchaus klassische Kombination ist. Würde schon nicht so schlimm sein…

Weiterhin waren partout keine grünen Bandnudeln aufzutreiben. Und ich war zu faul zum selber machen und mir kurz vor Ostern noch mal komplett die Küche einzusauen. Was in diesem Fall sozusagen einem Naturgesetz gleichkäme, absolut unvermeidbar. Tring + Nudeln selber machen heißt die gefühlt nächsten zwei Wochen leicht klebrig angetrocknete Mehlreste von Küchenschränken und aus Bodenritzen kratzen. Da ich mich von der grundsätzlichen Idee des paglia e fieno aber immer noch nicht so richtig verabschieden konnte (oder vielmehr wollte – da kann ich stur sein) musste aber eben noch was Grünes her. Denn Stroh und Heu nur mit Stroh und ohne Heu geht ja schlecht… Also habe ich den Untiefen meines Frosters einen Rest TK-Erbsen und auf der Fensterbank einen Topf Basilikum ausgegraben, der bisher wie durch ein vorösterliches Wunder meine mangelnden Gießkünste und die durch meine Vergesslichkeit das Fenster zu schließen entstandenen Temperaturschwankungen überlebt hat. Zwar nicht unbedingt Heu, aber immerhin grün.

Ihr seht, ich kann quasi nichts dafür :-) Das so entstandene Nudelessen hat nun zwar im Grunde wirklich nichts mehr mit paglia e fieno zu tun – schmecken tut es trotzdem. Und der Kühlschrank ist auch leer. Frohe Ostern!

Paglia e fieno mit Lachs und Erbsen

Für 2 Personen:

  • 200g Pasta
  • 200ml Sahne
  • 100ml Fond (oder Brühe)
  • 1 kleiner Bund Frühlingszwiebeln (auch so ein Rest, eine normale Zwiebel tut es auch)
  • 1-2 Zehen junger Knoblauch
  • Butter zum Anschwitzen
  • 80g Gorgonzola dolce
  • 2 Hand voll TK Erbsen
  • 1 große Hand Basilikum
  • Saft von ca. 1/2 Zitrone
  • Salz und Pfeffer
  • 1 Stück (125g) Stremellachs
  1. Pasta in Salzwasser sehr al dente kochen (noch einen Tacken zu hart).
  2. Frühlingszwiebeln und Knoblauch fein hacken, in wenig Butter kurz anschwitzen. Sahne und Fond angießen, aufkochen lassen. Gorgonzala grob würfeln und zugeben, ein paar mal durchrühren bis er geschmolzen ist. Sauce ein wenig einköcheln lassen. Salzen und pfeffern.
  3. Erbsen zugeben und einmal aufkochen lassen. Abgetropfte Pasta zugeben und in der Sauce nachziehen lassen. Sie sollte dann al dente sein und die Sauce größtenteils aufgesogen haben. Basilikum grob zerhacken oder zerzupfen und 3/4 davon untermengen. Mit Zitronensaft, Salz (Achtung der Lachs ist auch noch leicht salzig) und Pfeffer abschmecken.
  4. Stremellachs in Stücke zerzupfen und zusammen mit dem restlichen Basilikum auf den Nudeln verteilen.
Advertisements

8 Kommentare zu “Auf Abwegen

  1. …oder warum ich mich nie an Rezepte halten kann. ich weiß es, Individualisten schaffen nie, sich an Normen zu halten und meistens kommt dabei nur gutes und sehr gutes raus:-)))))

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s